Herbstmantel

Meine Großeltern haben mir zum 20. Geburtstag einen Schnupper-Webkurs geschenkt. Damit hatte ich schon etwas länger geliebäugelt und somit war es das perfekte Geschenk. Den Kurs habe ich in der Münchner Damasthandweberei bei Frau Sylvia Wiechmann (https://damasthandweberei.de/) gemacht. Das hat bedeutet: zwei Tage lang am Webstuhl sitzen und natürlich vieles dazu lernen, somit war die Vorfreude meinerseits sehr groß!

Nach einer kurzen Einführung und Vorstellung der verschiedenen Webstühle in der Werkstatt durfte ich mir dann auch schon meinen Schussgarn aus den verschiedensten handgesponnenen und pflanzengefärbten Garnen aussuchen. Ich habe drei verschiedenfarbige Wollen gewählt: braun, grün-braun und dunkles weinrot. Die Kette war aus wollweißer, handgesponnener Schurwolle und ca. 64 cm breit.

Die meisten Muster, die ich verwendet habe, habe ich aus dem Buch „Am Webstuhl mit 4 Schäften“ von Ursula Kircher. Nach dem Kurs habe ich mir dieses Buch dann auch gleich bestellt, da es anscheinend nicht mehr produziert wird und sollte ich wirklich irgendwann einmal einen eigenen großen Webrahmen haben, ist dieses Buch ein guter Start.

Mir war ganz wichtig, dass ich diesen Kurs nicht mache, um am Ende ein besonders schönes, perfekt designtes Stoffstück zu haben. Sondern ich wollte so viele Muster ausprobieren wie möglich und so viel lernen wie nur geht. Deswegen hat der Stoff jetzt auch kein einheitliches Muster, das sich immer wiederholt.

Was ich besonders toll an diesem Kurs fand: ich habe gelernt, dass ein gerissener Faden nicht gleich ein Weltuntergang ist. Gerade beim Weben mit einem großen Webstuhl kann das öfters passieren, das ist dort ganz normal (v.a. bei der Schurwolle). Also ruhig bleiben, den gerissenen Faden erst einmal hängen lassen, bis er wieder die richtige Länge hat und ein Stück Ersatzfaden einfädeln. Gar nicht so schwer und am Ende sieht man auch nichts mehr davon.

Nach dem Kurs habe ich lange überlegt, was ich mit dem gewebten Stoff machen soll. Ich wollte irgendetwas zum anziehen haben, weil ich nicht so gerne Taschen trage. Eigentlich dachte ich an einen Pullover. Schlussendlich habe ich mich dann aber für eine Jacke entschieden, wobei der gewebte Stoff dann der Rücken werden sollte. Nachdem das entschieden war hieß es „Mama mach mal!“. Ich bin selbst noch nicht dazu gekommen viel zu nähen und wenn man schon eine Mama hat, die das sehr gut kann, warum dann nicht die Arbeit abgeben ;).

Für den Außenstoff haben wir einen dunkelblauen Cord gekauft, der Futterstoff ist in einem dunklen Rot gehalten und die Knöpfe sind aus Leder. Das Schnittmuster hat meine Mum aus einer meiner gekauften Jacken entwickelt.

Wie ihr vielleicht merkt bin ich hier weniger auf die technischen Dinge des Kurses eingegangen, wie die verschiedenen Webmuster, mit wie vielen Schäften ich gearbeitet habe und und und. Das kommt daher, dass ich selbst erst einen Schnupperkurs gemacht habe und ich euch nichts Falsches erzählen möchte. Aber wenn ihr euch auch einmal an einem Webstuhl probieren möchtet, ohne diesen gleich kaufen zu müssen, dann empfehle ich euch definitiv diesen oder einen ähnlichen Kurs zu machen. Die Atmosphäre während der zwei Tage war sehr angenehm, ich konnte immer Fragen stellen und mir wurde immer geholfen. Also an die Webstühle, fertig, los …

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