Was kann ich alles aus dem Webbrief ablesen?

Als ich das erste Mal einen Webbrief gesehen habe, war ich ein bisschen überfordert damit. Mir war natürlich klar, dass ich hier das Muster der Borte vor mir habe, aber bis eine Borte fertig ist, braucht es doch etwas länger und dazu braucht man den Webbrief. Aber was kann denn der Webbrief alles zeigen und für was nutze ich den Webbrief überhaupt?

Hier eine kurze Liste:

  • Anhand des Webbriefes erkennt man das Muster der Borte
  • Man kann aus dem Webbrief, die Menge an Fäden ablesen, die man zum Weben braucht
  • um das Garn richtig in den Webkamm einzufädeln, kann man den Webbrief zu Hilfe ziehen
  • man braucht den Webbrief, um das Muster zu weben (zumindest Anfangs oder bei schweren Mustern)

Wenn ich eine Borte webe habe ich meistens neues Garn, dass ich mir ausgesucht habe und nun verarbeiten möchte. Ich blättere dann immer meine Musterhefte durch und die Muster, die mich ansprechen, merke ich mir vor, um zum Schluss zu entscheiden, welches mir am besten gefällt.

Als nächsten Schritt schaue ich, wie viele Musterfäden ich habe. Bei den Musterheften von Hildegund Hergenhan und Anneliese Bläse steht die Anzahl meistens oberhalb der Seite und die Borten sind nach aufsteigenden Musterfäden sortiert. Wenn ihr euch entschieden habt, welches Garn euer Musterfaden wird und wie lang eure Borte werden soll, könnt ihr eigentlich direkt loslegen.

Tulpenmuster aus Litauen von Hildegund Hergenhan

Ich habe gestern eine neue Borte angefangen, deren Muster aus dem Heft Litauen von Hildegund Hergenhan stammt. Dieses Muster hat 7 Musterfäden und ich habe jeweils links und rechts noch einen durchgehenden einfachen Rand gesetzt. Wenn ich eine Borte einfach so mache, ohne sie für etwas einzuplanen, setzte ich meistens als Garnlänge 4m an, fragt mich bitte nicht wieso, ich weiß selbst nicht warum ;).

Da mein Muster 7 Musterfäden hat, brauche ich 7x 4m von dem rosa Garn plus jeweils nochmal 2x 4m für den Rand links und rechts. Für den Grundfaden muss man jetzt ein wenig rechnen (oder zählen), denn auf einen Musterfaden kommen immer zwei Grundfäden, zumindest bei dieser Webart. Bei dem Rand reicht es, wenn ihr links und rechts der beiden rosa Fäden zwei grüne Fäden setzt, ansonsten habt ihr keinen durchgängigen Rand, sondern einen Rand wie bei der Borte lettisches Auge (siehe in Galerie). So sieht das dann aus, wenn ihr von der Mitte ausgehend den Kamm belegt:

Belegung des Webkamms: 1.Reihe = Stäbe, 2.Reihe = Löcher

Wenn ihr den Kamm fertig belegt habt, könnt ihr direkt anfangen zu weben. Auch hier braucht ihr den Webbrief wieder, denn falls ihr das Muster noch nicht kennt oder es nicht gerade einfach ist, könnt ihr hier ablesen, was ihr tun müsst. Für mich war dieses Muster neu, also habe ich immer Schritt für Schritt geschaut, welche Musterfäden ich als nächstes hoch- oder herunternehmen muss. Nach ein bis zwei Runden konnte ich das Muster aber schon auswendig und jetzt webe ich ohne weiter.